INTERVIEW MIT STEPHAN SCHRÖDER (ESL)

    STEPHAN SCHRÖDER – SENIOR VICE PRESIDENT GLOBAL BRAND PARTNERSHIPS – ESL Die Electronic Sports League ist ein Urgestein in der kompetitiven Gaming-Szene. Bereits […]

22. Juli 2020

 

 

STEPHAN SCHRÖDER – SENIOR VICE PRESIDENT GLOBAL BRAND PARTNERSHIPS – ESL

Die Electronic Sports League ist ein Urgestein in der kompetitiven Gaming-Szene. Bereits 1997 wurde das Fundament für die heute so erfolgreiche Liga gelegt und seit dem Jahr 2000 hält sie als „ESL Gaming“ ihre Flagge für authentische Veranstaltungen rund um das Thema Esports in den Wind. Stephan Schröder, der Senior Vice President für Global Brand Partnerships bei ESL Gaming, erklärt nicht nur als Repräsentant, was die ESL zu einem strategisch wichtigen Partner für Sponsoren macht, sondern setzt diese als ehemaliger Managing Director von Nielsen Sports auch in den Kontext mit klassischen Sportvereinen.

 

 

 

Was macht Esports so interessant für Sponsoren?

Der Hauptgrund wegen dem sich viele Marken sehr für diesen Markt interessieren ist definitiv die Zielgruppe. Sie ist jung, gebildet, konsumfreudig und mit traditionellen Marketingmaßnahmen kaum noch erreichbar. Es braucht authentische und ehrliche Inhalte auf den passenden Plattformen und genau das kann der Esport bieten. Aber sie ist auch nicht ganz ohne – und das ist auch der Grund für vorherrschende Berührungsängste. Ich führe das darauf zurück, dass die meisten Entscheider in den Unternehmen keine Digital Natives sind. Sie kommen aus dem klassischen Marketing und müssen sich mit dieser neuen Welt erst einmal anfreunden.

 

Was würdest du einer Marke empfehlen, die sich im Esports als Sponsor engagieren will? 

Man sollte sich definitiv das Ökosystem anschauen und überlegen, ob es für die zu bewerbende Marke passt. Das Thema der Glaubwürdigkeit des Sponsorings ist hier nämlich noch wichtiger als im herkömmlichen Sport. Wie bereits erwähnt ist die Zielgruppe sehr selbstbewusst – auf der anderen Seite aber auch offen für Partner und Sponsoren. Und weil die Community häufig wissen will, warum sich ein Unternehmen engagiert, benötigt man eine glaubwürdige Geschichte.

Die Best Cases der ESL sind hierbei neben Intel natürlich DHL und Mercedes Benz – diese Sponsorships haben fantastisch funktioniert. Es ist uns wichtig potenziellen Sponsoren klar zu machen, dass es sinnvoll ist etwas mehr Zeit und Geld in die Überlegungen und Vorbereitungen zu investieren. Es kann schließlich auch negative Stimmen bei einer Sponsorship-Aktivierung geben – und die sind gerade in Bezug auf Social Media natürlich weitaus lauter als herkömmliche Leserbriefe.

 

Was genau ist denn der Vorteil gegenüber herkömmlichem Sponsoring?

Man kann deutlich individueller aktivieren. Die Aktivierung selbst steht hier im Mittelpunkt und zu dieser gehört dann im logischen, nächsten Schritt auch eine Logopräsenz . Genau deswegen finde ich auch, dass Esports sehr gut in die heutige Zeit passt. Unternehmen haben ein viel größeres Spektrum an Möglichkeiten sich zu präsentieren. Natürlich ist es aber auch schwieriger z.B. in einem Fußballstadion individuelle Aktivierungen für 16 verschiedene Partner zu platzieren.

 

Also kann der klassische Sport noch etwas vom Esports lernen!

Absolut! Gerade bei den Themen Aktivierungsideen, Content Creation und Eventinszenierung. Da ist der Esports sehr, sehr gut. Und ich glaube, dass der klassische Sport sich hier ein paar Inspirationen abholen kann – und bereits tut. Auf der anderen Seite kann aber auch der Esports etwas lernen – gerade wenn es um Eventplanung und Regelmäßigkeit geht. Hier funktioniert der herkömmliche Sport wie ein Uhrwerk. Du weißt ganz genau, dass im Mai immer French Open in Paris ist. Da tut sich der Esports noch schwer, da vieles auch unabhängig von der aktuellen Corona-Krise in Bewegung ist. Das macht es natürlich auch für Sponsoren nicht gerade leicht sich darauf einzustellen.

 

Warum sollte man Sponsor der ESL und nicht eines Esport-Teams werden?

Die Präsenz der Marke ist bei einem ESL-Turnier- oder bei einer Wettkampfserie sehr einfach einzuplanen. Auch Aktivierungen lassen sich bei uns einfacher planen als bei einem klassischen Teamsponsoring – immerhin haben wir die Rechte an den Turnieren. Das bedeutet konkret: Wenn du ein Team unterstützt bezieht sich das bei den Top Wettkämpfen rein auf die Logopräsenz am Spieler. Im Gegensatz zur Fußball-Bundesliga sind die Spieler aber nicht konstant im Bild zu sehen. Und wie bereits erwähnt können wir die Aktivierungen individueller gestalten. Die Turniere selbst sind sehr stark und haben eine große Reichweite – und dass können Marken natürlich für sich nutzen, wenn sie Rund um das Turnier aktivieren. Gleichermaßen sind sie dann auch nicht nur in der Halle zu sehen, sondern auch in den Streams und Highlight-Videos.

 

Wo siehst du die Entwicklung des Esports in drei bis fünf Jahren? 

Positiv! Die junge Zielgruppe wird meiner Meinung nach immer schwieriger zu erreichen. Heutzutage wird alles on demand konsumiert. Man braucht spezifische Angebote, um die Jugend zu erreichen – was auch für die klassischen Sportarten bedeutet, dass sie sich anpassen müssen, damit ihre Zielgruppe nicht überaltert. Hier öffnen sich allerdings auch weitere Türen für den Esports – die jungen Leute, die Gamer sind, werden jetzt nämlich zu wichtigen Persönlichkeiten in Firmen und besetzen Führungspositionen. Dadurch steigt natürlich auch die Akzeptanz für Esports.

Ich glaube, dass der Esports noch populärer wird. Des Weiteren wird der digitale Sport im Hinblick auf Sponsoring mehr in den Mittelpunkt rücken und somit nicht mehr zum Randbereich gehören. Ich sehe ein Wachstum in Bezug auf die Investments, die getätigt werden – insbesondere was Mobile Gaming angeht. Hier werden die meisten Zuwachsraten verzeichnet im Vergleich zu klassischen PC- oder Konsolenspielen. Ich glaube aber auch, dass sich der Markt noch mal richtig durchrütteln wird in den nächsten drei Jahren. Es gibt ein paar Unternehmen und Anbieter, die Schwierigkeiten haben werden sich hier zu adaptieren. Diese Marktbereinigung wird meiner Ansicht nach dafür sorgen, dass der Markt leichter zu verstehen und vorhersehbarer wird.

Allerdings ist es weiterhin schwierig, Vorhersagen zu treffen, wie lange ein Computerspiel eigentlich attraktiv für die Community ist und wann ein neues Spiel plötzlich ein altes ablöst. Variablen wie diese halten es spannend und sind immer für eine Überraschung gut. Dadurch bleibt der Esports flexibel und interessant. Es kann eben immer etwas Neues kommen – mit all seinen Chancen und Herausforderungen.

 

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